Vortrag: Eine verpasste Begegnung? Zur Spinozas-Rezeption im Anarchismus  (Leipzig)

Sonnabend, 21. März 2026, 12:00 Uhr

Es gibt viele Gründe, weshalb Spinoza für Anarchist*innen interessant war und weiterhin sein kann: sein kräftepluralistisches Denken immanenter Kausalität, der Selbstwirksamkeit und der Konstitution der sozialen Macht, seine Kritik der Allgemeinbegriffe und sein Denken radikaler Individualität, die Perspektive auf Befreiung und die positive Integration von Handlungsvermögen, die Verankerung der gegenseitigen Hilfe unmittelbar in der Ontologie, die Autoritätskritik und die Betonung der freien Diskussion in den Versammlungen. Doch war die anarchistische Spinoza-Rezeption durch etliche Missverständnisse geprägt und von geschichtsphilosophischen Prämissen verstellt.

Ich möchte seine Rezeption durch prägende Autoren, wie u. a. Proudhon, Stirner, Bakunin, Kropotkin und Landauer, die systematischen Affinitäten ihres jeweiligen Denkens mit der Philosophie Spinozas und die Grenzen dieser Übereinstimmung skizzieren. Dabei soll vor allem deutlich werden, was mit einer anarchistischen Spinoza-Rezeption zu gewinnen wäre und warum es mir eine gute Idee zu sein scheint, es heute mit diesem Rendez-vous noch einmal zu versuchen.

Referent: Jan Rolletschek

Der Vortrag findet im Rahmen von "Myzelium. Tagung für Anarchistische Studien" statt.

Ort: Bildungswissenschaftlichen Zentrum ● "Campus Jahnallee" Haus 5 ● Leipzig